Capital Slam im Bern – 2
Freitag, Oktober 2nd, 2009„Ist denn heute nicht Donnerstag?“ Ich versuchte noch einmal die silberne Stahltüre zu öffnen, aber es schien wirklich geschlossen zu sein. Zwischen den Ritzen konnte ich das beleuchtete Lokal sehen und zwei Personen hinter der Bar. Doch, ganz gewiss musste es Donnerstag sein. Als ich am Morgen die Monbijoustrasse runter fuhr, standen links am Strassenrand wie immer drei 35-Liter Müllsäcke. Obwohl die Müllabfuhr erst am Freitagmorgen ist, stehen die immer schon donnerstags stinkend in der Gegend herum. In den Einzimmerwohnungen wohnen sicher Wochenaufenthalter. Studenten, die freitags keine Vorlesungen mehr belegen müssen. Alter Neid kommt hoch, der aber gleich wieder von der eigentlichen Frage unterdrückt wird.
Oder geht meine Uhr falsch? Aber wie gross war die Wahrscheinlichkeit, dass Uhr, iPod und Handy die falsche Zeit anzeigen würden? Ich lief in den Hof und blicke in die anderen Räume. Normalbetrieb. Im kleinen Theater am Ende des Hofes wusste man jedoch von gar nichts und versuchte mich zu überreden, stattdessen ihre Vorstellung zu besuchen. „Aber heute ist schon Donnerstag? Der erste Donnerstag im Monat, oder?“ Ich war zwar nun eine Woche arbeitslos, aber so schnell sollte ich mich dann doch nicht in den Tagen irren?
Auf dem Rückweg fiel mir dann auf, dass ungewöhnlich viele Leute nicht nach dem gängigen Dresscode des Areals gekleidet waren. Zu normal sahen sie alle aus. Vor allem der gut- aber langweilig aussehende Mann im grauen Karopulli passte irgendwie gar nicht ins Bild. Ich suchte mir ein offenes WLAN und surfte auf die Veranstaltungssseite in Facebook.
1.Oktober 2009, 2. Capital Slam, Türöffnung: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr, Rössli Bar @Reitschule
20 Uhr 10. Letzten Monat lief um diese Zeit der Wettstreit um die Flasche Whisky bereits. Ich rief meine Freunde an, die extra aus Olten anreisen wollten für den Slam. Auch sie standen vor verschlossenen Türen und hatten sich im Kino am Bollwerk jetzt Tickets für „Antichrist“ gekauft. Gerade als ich mich auch für Kino entschloss, öffneten sich die Türen dann doch. Das Lokal füllte sich mit fast 70 Leuten und um fünf vor neun begann er dann, der zweite Poetry-Slam Contest in Bundesbern, der hier nun mangels Platz nicht mehr näher beschrieben werden kann.
Nur soviel: Patrick Armbruster ist ein Name, den ich mir merken werde. Im Gegensatz zu anderen Slammern, die mit Trivialkomik auf Kosten anderer oder wenig gelungenen, aber immerhin ausbaufähigen Wortspielen in Bern sichere Punkte holen konnten, waren seine Texte mit vielen feinen Wortperlen geschmückt. Die Publikumsjury war jedoch gewiss nicht am 1. Capital Slam gewesen, sonst hätten sie nach der Dichtkunst von Renato Kaiser und Diego Häberli letzten Monat niemals so oft die heiligen, orgasmischen 10 Punkte verteilt. Aber über Geschmack lässt sich wie immer schlecht streiten, wie auch über Kunst. In diesem Fall die des Dichtens.
Ich bin gespannt auf nächsten Monat und hoffe, man wird sich auf eine Uhrzeit einigen können. Denn ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle und das nicht nur wegen der charmanten Moderatorin Marguerite Meyer.






