Archive for the ‘Kultur’ Category

RauschDichten@Musigbistrot

Dienstag, Januar 27th, 2009

Renato Kaiser, originally uploaded by kusito.

Das Fräulein Chnübli war gestern RauschDichten und will nun mehr.

Ich muss nun nicht mehr weiter nach einem Montagsdate suchen. Ich werde nämlich künftig des Öfteren im Musigbistrot in Bern den Wortspielen der Slampoeten Renato Kaiser, Sam Hofacher und Christoph Simon lauschen.

Nachdem ich mich zuerst einmal zünftig verirrt hatte und die 2 Minuten bis zum Musigbistrot verzehnfachte, war es wieder an der Zeit, dass ich meinen Magen und meine Ohren – kurz gesagt MICH – etwas verwöhnte. Es war sozusagen mein erstes kulinarisches wie auch kulturelles Ereignis seit ich nun hier in Bern wohne.  Und gelohnt hat es sich definitiv. Die Künstler des gestrigen Abends haben es tatsächlich geschafft, mich zu überraschen. Soviel Spielerei mit Wörtern, die Gefühle von Freude und Begeisterung bis Bedauern und Schamgefühl hervorrufen konnten, war mir schon lange nicht mehr begegnet.

Und natürlich hoffe ich, dass sich unter den Gastpoeten auch weibliche Slammerinnen befinden werden und wenn sie es ganz gut machen, dann tritt vielleicht einer meiner Lieblingspoeten, der “Gauner” auf.

Leider ist das Essen etwas zu teuer für mein Budget, aber dank des abgesagten Peter Fox-Konzert im Kofmehl kriege ich noch Geld zurück, das ich nun besser investieren kann.

Am Slam08 in Zürich hatte ich es noch bedauert, dass wegen meiner Berlinreise das Finale nicht sehen konnte. Aber mit dem montäglichen Veranstaltungen im Musigbistrot werde ich mich nun regelmässig von Slam Poetry berauschen lassen können.

Weitere Infos und alle Links zum Abend findet Ihr in meiner Kolumne auf StudiSurf.

I hate and I love

Freitag, Mai 16th, 2008

Wer auch nur entfernt an Klassik und choralen Gesängen interessiert ist, sollte sich heute Abend in Bern das Abschlusskonzert von Der CHOR nicht entgehen lassen.

Die Thematik des Hasses und der Liebe passte so hervorragend in mein momentanes Stimmungsbild, dass ich die Stücke gestern regelrecht in mich hineinfliessen liess.

Während Robert Schumann noch die freudigen Seiten der Liebe betonte, wurde es im Mittelteil durch Dominick Argentos atonales Arrangement beinahe bedrohlich düster. Es erinnerte mich stark an das Unbehagen, das ich im Musikunterricht bei Schoenbergs 12-Ton-Technik empfand. Umso erstaunlicher, wie professionell der Laienchor diesen wahrlich schwierigen Teil meisterte. Die Gesichter der Chormitglieder zu beobachten, während sie mit “Wretched Catullus” die Schallwellen in Gang setzten, entschädigte für jeden komponistisch gewollten Misston.
Mit Johannes Brahms kamen auch die Solisten. Vor allem Caroline Hilti stach klar hervor. Obwohl alle Solisten die Töne trafen, war sie die einzige, die man auch verstand. Ich bin ein absoluter Chorlaie, finde aber, dass man den textlichen Inhalt eines deutschen Stückes sehr wohl hören und ihn nicht in der Melodie untergehen lassen sollte. Umso besser gelang dies dem Chor und so war es ein Konzertabend, der sich gelohnt hat und mit Abstand der beste Laienchor, den ich je gehört habe.

Odi et amo. Quare id faciam fortasse requiris.
Nescio. Sed fieri sentio et excrucior.

(Gaius Valerius Catullus)

Simple Voicing

Samstag, April 21st, 2007


Die Vermittlungsagentur “simple but voicing” nimmt jeden Kundenwunsch entgegen. Und so spielen sie während des Abends für den Club der gebrochenen Herzen, im Seniorenheim, auf einer Nationalfeiertagsveranstaltung oder im Jaszzclub. Mit Witz und Charme überzeugen die Herren ihre Kundschaft am Telefon davon, dass beim Streichquardett einer gestrichen würde und stattdessen ein Vocaltrio viel besser zur gewünschten Veranstaltung passen würde.

Das fand das Publikum auch. Es überzeugten die 3 Solothurner nicht nur ihre angereisten Fans, sondern auch das Berner Publikum im Theater am Käfigturm. Sowohl Schauspielkunst wie auch Gesang waren vom Feinsten, in Kombination einfach unschlagbar – ich gebe zu, als Fan bin ich einfach nicht objektiv genug.

Ich wollte schon lange einmal wissen, was für ein tolles Gefühl es sein muss, bei einer Ballade einen tiefen Blick des Sängers zu erhaschen. Ich weiss es leider immer noch nicht, aber die beiden anwesenden Freundinnen, die schöne Tierärztin und Sändy, werden mir sicher noch ausführlichen Bericht erstatten müssen. Aber ich war so oder so glücklich, hatte ich doch am Nachmittag die ultimativen Schuhe zu meinem Tangokleid gefunden und bewunderte halt ein bisschen meine Füsse.

Die ganze Truppe traf sich danach noch im Kornhauskeller, wo je nach Grüppchen über den Sinn des Lebens, Erlebnisse zellbiologischer Natur und der Möglichkeit, einen Tag im anderen Geschlecht zu verbringen diskutiert wurde.

Ein Drittel von Simple Voicing, mein Bruder, Sändy und ich landeten zu später Stunde dann noch in der Piano-Bar in Solothurn, wo mit einer Runde Pizza der gelunge Abend einen würdigen Abschluss fand.

Meine Füsse schmerzen übrigens nur ein bisschen, was für neue Frauenschuhe nach einem Gewaltsmarsch durch halb Bern ein absolut gutes Qualitätsmerkmal ist.

sich was Gutes tun: Museumsnacht

Sonntag, März 25th, 2007

Eigentlich hätte ich ja am Samstagmorgen früh aufstehen müssen. Mein Vater feierte Geburtstag und der Frühaufsteher hätte sehr gerne nach dem gemeinsamen Brunch noch etwas mit der Familie unternommen, bevor wir abends am grossen Festschmaus schon wieder richtig lecker verwöhnt worden wären. Das Wetter machte uns aber einen Strich durch die Rechnung und da ich eh schon in Bern war, wollte ich noch an die Museumsnacht.

Ich kenne nur einen Mann, der mich mit Freude an einen solchen Event nur der Kultur wegen begleiten würde und glücklicherweise nahm er sich die Zeit.

Das Programm ist äusserst vielfältig und eine Nacht allein reicht nicht aus, sich alles anzuschauen. So starteten wir im Alpinen Museum, dem Ort, wo ich mit Mr. Meteoman damals an meiner allerersten Museumsnacht so feine Suppe schlürfen konnte. Dieses Mal gab’s statt Suppe Racelette und Rösti und wir flüchteten vor dem Käsegeruch rasch ins Museumsinnere. “Gletscherfieber” nannten Werner Aeschbacher und Martin Hägler ihren Mix aus Schwyzerörgeli und einem Tisch voller zusammengebastelter Instrumente. Grandios. “Wie aus einem David Lynch-Film”, meinte der Matrose treffend.
Den dramatischen, klimabedingten Rückgang der Gletscher interessierte nicht nur uns, der Raum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Zu meiner Überraschung traf ich einen ehemaligen Geographie-Prof vom GIUB. Lieber Mr. Meteoman, erinnerst Du Dich an ein grün eingefasstes Buch über Europa und die zur Industrialisierung wichtigen Bodenschätze? Ich soll Dir auf alle Fälle Grüsse bestellen.

C’est belge, c’est bon: moules et frites. Weil in der Kunsthalle der Bluesbueb seinen Auftritt hatte, waren im Zelt davor Plätze frei und die bestellten Miesmuscheln wirklich lecker. Als Überraschung zauberte der Matrose noch einen süffigen Weisswein aus der Manteltasche und ich war circa eine Stunde lang wunderbar berauscht und zufrieden.

Das Angebot der Museumsnacht ist so gross, dass man unmöglich alles geniessen kann. Allein schon das Historische Museum stellte in 15-Minütigen Führungen verschiedene Schätze vor und die Zeit verging wie im Flug.

Kurz vor Mitternacht tauchten wir in Geisterwelten im Berner Münster ein. “Die Hand Gottes” liess es silbern regnen und man konnte sich unter dem “Himmlichen Hof” (ja, ohne “s” geschrieben) liegend von den Strapazen der Museumsnacht erholen.

Auf der Suche nach einem starken Espresso, landeten wir schliesslich im Erlacher Hof. Der Berner Stadtpräsi hat wirklich noch ein kuhles Bild in seiner Bürowand. Leider haben wir uns nicht getraut im Sitzungszimmer die Schublädchen vom grossen Sekretär zu öffnen und die anwesende überschminkte Hausfrau in Securitas-Uniform Sicherheitsbeauftragte hatte auch keine Ahnung. Dafür erkannte ich das freche Grinsen von einer schlööfenden, T-Shirt produzierenden Bernerin, die ich schon lange einmal live treffen wollte.

Obwohl die Museumsnacht bis 02:00 dauern sollte, wurde überall schon abgeräumt und trotz intensiver Suche mussten unsere Espressi wohl bis Solothurn warten.
Aber auch in der Landhausbar hatte die Kaffeemaschine schon Feierabend. So mussten der Matrose und ich wohl oder übel noch etwas Alkoholisches einen gesunden Schlummertrunk bestellen.

Die Museumsnacht hat sich wieder einmal gelohnt und dank der richtigen, Kunst und Kultur interessierten Begleitung, mein intellektuelles Highlight im bisherigen 2007.

 

sich was Gutes tun: Musik

Samstag, März 24th, 2007

Ich wusste überhaupt nicht, was mich erwartet, als ich Tickets für das Konzert von Heinrich Müller reservierte. Dass Mr. Tagesschau singen können soll, liest man ja zuweilen, doch trotz regelmässigem DRS 1 Konsum, kannte ich bis letzten Donnerstag keinen einzigen Song.

Doch der guten Nase der Kulturm-Crew vertraue ich, obwohl ich wegen Familienbanden nicht völlig objektiv bin, aber mein Cousin und seine Leute haben mit dem Kulturm eine neue Idee realisiert, die wirklich funktioniert.

Meine Anwesendheit, von der Crew mal abgesehen, zog den Altersschnitt erheblich nach unten und ich machte mir doch kurz Sorgen, dass Heinrich Müller vielleicht Schlager singen könnte oder jodeln wird. Neben mir sass eine – Überraschung – alte Schachtel Dame, die alles kommentieren musste, sogar, dass der Mann auf der Bühne gerade 1-Liter-Mineral-Flaschen von Coop am Öffnen war. Wie heisst eigentlich derjenige, der vor dem Konzert die Gitarren stimmt und jedem Musiker ein Getränk hinstellt? Gitarrenstimmer? Wasserhinsteller? Nennen wir ihn mal GiSWHi. Heinrich Müllers GiSWHi war jedenfalls äusserst attraktiv und ich war doch sehr froh, standen mindestens 7 Gitarren da vorne. Aber es sollte noch besser kommen:

 

Heinrich Müller

Heinrich Müller kann tatsächlich singen, und das hervorragend. Kommentiert von der Dame: “Oh lueg, dört chunnt är/Ou singt dä de schön”. Seine Songs erzählen Geschichten und wenn man die Augen schliesst, könnte man genauso gut im mittleren Westen Amerikas in einer Countrybar sitzen. Seinen beiden Gitarristen und dem Keyboarder sah man die Freude am Auftritt an und mich faszinierte vor allem “der Mann mit dem schönen Namen” wie ihn Heinrich Müller vorgestellt hat. (Bass spielte er übrigens später auch noch…)
Ausserdem nahm sich Heinrich Müller die Zeit, jeden einzelnen Gast im Raum per Handschlag persönlich zu begrüssen, auch wenn das im Kulturm hiess, quer über die Sesselreihen zu klettern. So was habe ich in meiner 15-jährigen Karriere als Konzertbesucherin noch nie erlebt.

Ein Nachteil hat der Kulturm: man muss sitzen. Gerade dieses Konzert wäre stehend und leicht im Takt mitwippend noch viel intensiver gewesen. Immerhin wurde auch die ältere Generation mit der Zeit etwas wärmer und schnippte oder klatschte den Takt mit. Aber kann mir bitteschön jemand erklären, warum in einem Raum mit 100 Leuten immer mindestens einer im falschen Takt klatscht? Ist das nur in der Schweiz so? Sind wir so unmusikalisch? Und warum merkt der Falschklatscher während Minuten nicht, dass er ausser Takt ist? Nein, ich will jetzt aber keine Diskussion starten über Individualismus. Wenn einer den falschen Takt mitklatscht ist das einfach weder cool noch besonders lustig, es ist einfach nur mühsam. Falschklatscher sollten eliminiert werden oder zumindest ein lebenslanges Klatschverbot erhalten oder nur noch gefesselt Konzerte besuchen dürfen, ausser es handelt sich um Violinkonzerte. Alte Dame: “ghörsch das, do chlatschet eine aber de komisch”.

Ob mit oder ohne Falschklatscher, Heinrich Müller und Band ist ein Genuss. Ich werde versuchen, eines seiner Konzerte noch stehend geniessen zu können. Alte Dame: “diä Sitze gäbe e Chrampf im Füdle, ig würd lieber stoh”. Ohne Zugaben liessen wir ihn jedenfalls nicht gehen auch wenn die alte Dame meinte: “ou nei, ig sött aber jetzt uf d Toilette” und bei der 2. Zugabe: “ig wott jetzt hei”. Meinetwegen hätte er noch viel länger singen können.

Übrigens hat Heinrich Müller am Schluss doch noch gejodelt.

 

Voxtasy im Kulturm

Samstag, März 10th, 2007

Das kleine Theater Kulturm im altehrwürdigen Muttiturm lädt immer wieder zu kleinen aber feinen Konzerten. Mit der Berner a capella Gruppe Voxtasy bewiesen die jungen Veranstalter ihre guten Nasen und besorgten uns Zuschauern einen kurzweiligen Abend. Die fünf Künstler auf der Bühne könnten kaum unterschiedlicher sein, dennoch formten sie muskalisch eine Einheit und keine ihrer Harmonien kratzte. Dank schauspielerischem Talent und gelungenen komödiantischen Einlagen konnte ich endlich wieder einmal herzhaft lachen.

Kulturm

In 12 Tagen spielen Heinrich Müller & Band im Kulturm, ein Event, den ich sicher auch nicht verpassen werde. Und wann entdeckst Du den Kulturm?