Früher fragte mich mal jemand, was mir diese virtuelle Welt denn eigentlich bringen soll im Leben? Heute kann ich ihm antworten: Freude und Freunde. Einfach auf einer ganz anderen Ebene. Viele aussergewöhnliche Menschen begleiteten mich seit meinen Start im Web 2.0 – manche nur kurz, viele jedoch über Jahre. Die meisten traf ich unterwegs sogar im sogenannten RealLife, welches heute – wie von uns schon lange prophezeit – untrennbar mit dem Internet verbunden ist. Es entstanden sogar einige Liebesbeziehungen daraus, flüchtige Küsse, viele tolle Abendessen, stundenlange Telefonate, Chats und 3.2 GB Ordnerinhalt auf dem Emailkonto und noch mehr auf meiner organischen Speicherplatte.
Einer der ersten Weblogs, die ich las, war jener von Monoblog. Wie viele gute Blogger entdeckte ich seine Seite via dem früheren Blog des heutigen Nasobem-Buchladens. Sein unglaublicher Blick für Details im beinahe täglich geposteten Bild und die meist kurze Beschreibung oder Frage waren die erste Station am Morgen. Zu Zeiten, als ich noch nicht wusste, was ein Feedreader war führte mich der Weg immer sehr rasch gegen Osten zu Mono. Später, als er anfing Apps wie Instagram zu benutzen, folgte ich Monos Bildern dort, auf Twitter oder Facebook und war nur noch selten im Blog. So schrieb er auch zu Neujahr, dass “2011 das Jahr war, in dem er mehr Bilder mit dem iPhone, als mit der Fotokamera geschossen hätte”.
Dass der Mono nun keine Bilder mehr machen wird, keinen guten Morgen in die Twitterwelt schicken wird und wir nie die versprochene Bratwurst auf dem Grill der Dachterrasse nehmen werden kann ich kaum fassen. Irgendwie ist seither plötzlich klar, dass diese virtuelle Welt wirklich real ist. Zumindest für mein Herz. Ich hoffe sehr, dass Dein Vermächtnis gespeichert bleibt, nicht nur in unserer Erinnerung, sondern auch gepixelt im Web.
…weiss genau, dass ich nicht einfach ein aussergewöhnlich gutes Konzert erleben kann, ohne dass ich noch Tage später hingerissen bin. Selbstverständlich meistens nicht nur wegen der guten Musik, der Begleitung und den Gesprächen danach, sondern auch wegen der unerwarteten Veränderungen, die solche Abende auslösen können.
Es gab eine Zeit, da habe ich nur von Erzählungen von Freundinnen gewusst, wie küssen geht. Ich war ein Spätzünder. Behaupte allerdings bis heute, dass es an der unglücklichen Brillenwahl lag. Sie war blau. Blau! Bis heute kommt mir ausser Jeans nichts Blaues mehr ins Haus. Ich bin blaumatisiert sozusagen. Zu dieser Zeit mochte ich den Winter noch. Ich wohnte praktisch auf der Eisbahn. Nahm Eiskunstlaufunterricht und gab das 2-Franken-Stück nicht für Schleckzeug aus, sondern fütterte damit die Juckebox und wählte immer die gleichen zwei Lieder: Europe – The Final Countdown und Whitney Houston – One Moment In Time. Ich drehte dazu meine etwas unbeholfenen Pirouetten. In dieser kitschigen Zeit zwischen dem Pferdeheftchen “Conny” und der “Bravo” träumte ich von meiner ersten Schwärmerei.
Damals war ich unglaublich verliebt in Manuel*. Doch er hatte nur Augen für meine beste Freundin. Jeden Tag musste ich vor dem Velokeller Eins des Gymnasiums mit ihr warten, bis er sich zu uns gesellte. Da sie zu schüchtern war, alleine mit ihm zu reden, hatte sie mich vorgeschoben. Ich stand also da und sprach gefühlte Stunden mit ihm während sie ihn anschmachtete. Zuhause schrieb ich dann in die hellblauen Seiten meines Tagebuchs, was er mir heute erzählte. Rückblickend kann ich immer noch nicht fassen, dass ich das fast 3 Jahre lang mitmachte. Andererseits war es eine wunderschön unschuldige Zeit. Vom ersten Verliebtsein bis zum ersten Kuss. In dieser Zeit war ich mit meiner Freundin und Manuel im Kino Canva “Bodyguard” schauen. Die beiden war kurz zuvor im Skilager ein Paar geworden und mir besorgte sie auch ein Date namens Michael. Der Arme musste gegen Kevin Costner antreten und verlor. Ich blieb noch ein weiteres Jahr ungeküsst und in der Jukebox lief nun “I Will Always Love You”.
Kürzlich hat mich Manuel auf Facebook hinzugefügt. Er ist nun verheiratet und hat eine Tochter. Seine Frau ähnelt meiner blonden Freundin. In seine Augen könnte ich mich auch heute immer wieder verlieben.
Danke Manuel – Dein richtiger Name bleibt natürlich geheim verschlossen im blauen Tagebuch – und danke Whitney Houston, Heldin meiner pubertierenden Jugend. Es war eine aufregende Zeit mit Euch. Schade ist nun ein Teil davon für immer gestorben.